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Technische Besonderheiten

Grundriss zum Bau von H. Dolmetsch
Grundriss zum Bau von H. Dolmetsch
Grundriss zur Renovierung von H. Blume
Grundriss zur Renovierung von H. Blume

Heinrich Dolmetsch war nicht nur technischen Neuerungen gegenüber sehr aufgeschlossen, sondern er entwickelte selbst verschiedene Verfahren, zum Beispiel zur Verbesserung der Akustik. Er war Sachverständiger in Akustikfragen und wurde als Gutachter oft von auswärts hinzugezogen. In der Markuskirche wandte er folgende Maßnahmen an:

1. Dolmetsch hatte einen Korkschrotbelag -“Auris”- für Wände und Decken entwickelt, der die Schallwellen bricht und den Nachhall erheblich vermindert. Dieses Korkschrotverfahren hatte er schon an anderen Kirchenbauten (Marienkirche in Reutlingen) erprobt und sich patentieren lassen. In der Markuskirche mit ihrer für die Akustik ungünstigen Eisenbetonkonstruktion hat sich diese Maßnahme sehr gut bewährt.

2. Es wurde auch immer wieder auf die günstigen Eigenschaften eines Fußbodenbelages aus Linoleum hingewiesen. Diese Anregung ist in der Markuskirche zur Anwendung gekommen. Wegen des Einbaus einer Fußbodenheizung im Jahre 1978 mußte der schalldämpfende Linoleumbelag entfernt und ein Steinboden verlegt werden

 

 

Räderwerk zum Versenken der Holzwände
Räderwerk zur Absenkung der Holzwand

3. Da sich durch schwankende Besucherzahlen bei den Gottesdiensten die Schallverhältnisse erheblich ändern, besteht die Möglichkeit, den Kirchenraum -durch Absenken der hölzernen Trennwände zum Saal unter der Empore- zu vergrößern oder zu verkleinern.

4. Bezüglich der Heizung und Lüftung der Kirche hatte Dolmetsch ein ausgeklügeltes System entworfen, wie die Luftmassen zugeführt, erwärmt und schließlich wieder abgeleitet werden sollten. Ziel war es, durch genau plazierte Heizkörper und Frischluftzufuhr zu einer gleichmäßigen Wärme im Kirchenschiff zu kommen, ohne daß Zugluft auftreten sollte. Geheizt wurde mit einer damals hochmodernen Niederdruckdampfanlage. Zur Isolierung der Betonoberflächen und um die erwärmte Luft unter dem Fußboden hindurchzuleiten, entwickelte Dolmetsch sogenannte “Nasenplatten”, die eine Luftbewegung zwischen Außen- und Innenwand, bzw. unter dem Fußboden ermöglichten. Um einen fußwarmen Boden zu erhalten, wurde auf die Nasenplatten ein Korkestrich aufgebracht, das grüne Linoleum isolierte zusätzlich. Die verbrauchte Luft aus dem Kirchenraum wurde an verschiedenen Stellen in einen Luftkanal abgeführt und mündete in einen Abzug im Turm. Der Effekt dieser gezielten Luftbewegung war aber dann doch, daß bald Beschwerden über Zugluft und über insgesamt zu niedere Temperaturen laut wurden. Die Folge war, daß einige der Luftklappen endgültig geschlossen wurden und beim Einbau der Fußbodenheizung das von Dolmetsch konzipierte Heizsystem außer Kraft gesetzt wurde.