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Der Stil der Markuskirche

Säule am Hauptportal
Säule am Hauptportal Markuskirche
Originalverglasung einer Seitentür
Originalverglasung einer Seitentür Markkuskirche

Das ausgehende 19. Jahrhundert war -nicht nur in der Baukunst- geprägt von der Suche nach einem neuen Stil. Als die Unzufriedenheit mit der Umsetzung historischer Formen zunahm, wollte man einen neuen Stil schaffen, so wie man vorher Stile kopiert hatte. Es gab aber auch noch viele Architekten, die historisch bauten. Im Sakralbau wurde dies von der Kirchenleitung gefördert, vor allem Formen der Romanik und Gotik wurden bei Kirchenneubauten umgesetzt. Eine weitere Formgebung entsprang dem Zusammenstellen verschiedener historischer Elemente und deren Verknüpfung zu einem eklektizistischen Gefüge. Nicht die Einzelform wurde neu geschaffen, sondern die Kombination aus der Formensprache verschiedener Zeiten. Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts kam eine neue Auffassung in der Gestaltung auf: der Jugendstil. Er wurde nach der Zeitschrift “Die Jugend” benannt, die erstmals 1895 in München erschien. In erster Linie wurde der Jugendstil in der Graphik und im Kunsthandwerk umgesetzt, es gibt aber auch eine Anzahl von Bauwerken -zum Beispiel in Barcelona, Wien, Brüssel- die diesem neuen Stil zugeordnet werden.

Bis gegen 1900 hatte Dolmetsch überwiegend restauriert (ca. 60 Kirchen) oder im historischen Stil gebaut. Als Schüler von Christian Leins war er in erster Linie “Gotiker”. Für die Markuskirche kam er nicht wieder auf die gotische Formensprache zurück. So wurden nicht nur für den Innenraum neue Formen gefunden, sondern auch das Äußere der Markuskirche bekam eine ganz eigene Prägung. Überwiegend am Außenbau finden sich romanische Elemente, zum Beispiel die Säulen am Hauptportal, die Rundbogenfenster, die Friese. Im Inneren kann man wiederum die Säulen als romanisch betrachten, während das kassettierte Tonnengewölbe eine Verbindung zur Renaissance herstellt.

Der Jugendstileinfluß ist in erster Linie in der Ausstattung und Ornamentierung vorhanden, angefangen bei dem Christuskopf über dem Hauptportal und den Schmuckformen der Portaleinfassungen, weiter dann durch die Türbeschläge, das farbige Glas der Türfüllungen, die teilweise noch vorhandenen ursprünglichen Lampen, die Treppengeländer, und die Möbel in der Sakristei. Der Eindruck der Markuskirche wird bestimmt durch das Zusammenfügen der unterschiedlichsten Elemente zu einer Gesamtheit, die vor allem durch die Gestaltung bis ins Detail einen geschlossenen Eindruck vermittelt. Heinrich Dolmetsch ist es gelungen, eine “Denkmalkirche des Neuen Stils” zu bauen, in welcher der Protestantismus sein Konzept einer “Einheitskirche” wiederfindet. Die Markuskirche ist ein Bauwerk, das stilistisch und liturgisch zu den führenden Beispielen seiner Zeit im Lande zählt und welches darüber hinaus aufgrund seiner frühen Eisenbetonkonstruktion sogar europäische Bedeutung besitzt.